Felice B. auf die Couch gelegt oder Kafka privat, 1080 Wien  8. (Wien), 20.02.2014, 20:00 Uhr
Wo:
1080 Wien 8. (Wien),
Alserstraße 43
Wann:
20.02.2014, 20:00 Uhr
Beschreibung:
"Besser Schriftverkehr als gar kein Sex"
Wien-Klosterneuburg. theater-JA.KOMM legt Felice Bauer auf die
Therapiecouch. Das aktuelle Projekt beschäftigt sich mit Kafkas Verlobter. In
Form einer theatralen Therapiesitzung unter ärztlicher Aufsicht, wird der
Klassiker Kafka menschlich - greifbar und ganz privat gezeigt.
theater-JA.KOMM nimmt dabei vor allem seine Verlobte, die Büroangestellte
Felice Bauer beim Empfang seiner Briefe etwas genauer unter die
Lupe. Sie wird vom leidenschaftlichen Briefeschreiber Franz Kafka mit Post
überhäuft
und
kommt
mit
dem
Antworten
kaum
nach.
Romantische Fernbeziehung oder krankhafter Briefterror? Während Felice
um erklärende Worte ringt, stöbern wir in Kafkas Tagebüchern
und versuchen uns als Frauen des 21. Jahrhunderts unseren eigenen Reim
darauf zu machen - nicht ohne wissenschaftliche Unterstützung und
ärztlicher Aufsicht des Psychiaters und Kafka-Experten Prof. Hinderk M.
Emrich. Gab es auch bei Kafka Beziehungsmuster, in die er sich immer
wieder verstrickte? Warum? Wie fühlt sich das an, wenn man drei Mal
täglich Post von Franz Kafka bekommt - und dessen Mutter heimlich
mitliest? Wie könnten Felice Bauers Antworten gelautet haben? Und: Ist
Schriftverkehr besser als gar kein Sex?


FELICE B. AUF DIE COUCH GELEGT ist die dritte Zusammenarbeit zwischen Eva Jankovsky (theater-JA.KOMM,
Wien) und Miriam Sachs (FILM RISS THEATER, Berlin). Im Kleistjahr 2011 setzte das Theaterduo den Klassiker
Heinrich von Kleist in Miriam Sachs' Küche, (KLEIST IN MEINER KÜCHE) Roman von Miriam Sachs, Regie Eva
Jankovsky, uraufgeführt im Theater Pygmalion. Jetzt legen die beiden Felice Bauer auf die Therapiecouch. Diese
Maßnahme scheint aus heutiger Sicht bitter nötig, obwohl die bodenständige Stenotypistin, später sogar Prokuristin
bei einer Firma für Diktiergeräte, relativ gelassen umging mit dem Briefterror, den Beziehungs-Achterbahnfahrten,
dem Verlobungs-Entlobungs-Hin-Und-Her. Oder entsteht dieser Eindruck, weil nur Kafkas Briefe von der
Korrespondenz erhalten sind? Er hatte sie dringend gebeten, seine Briefe aufzubewahren, ihre sind nicht erhalten.
Ihr Gefühlszustand, ihre möglichen Antworten sind somit das Fragezeichen, das in dieser Doku-Fiktion und in
unseren Assoziationen auf der Bühne erst greifbar wird.

ein Film-Schauspiel-Wissenschaftsexperiment
Unsere spekulative Inszenierung lebt von Improvisation, Trickfilmcollagen und
der analytischen ärztlichen Aufsicht von Prof. Hinderk M. Emrich, der bereits in
mehreren Projekten von Miriam Sachs mitwirkte: 2012 untersuchten sie
gemeinsam den Langzeit-Kriegsheimkehrer Odysseus auf Posttraumatische
Belastungsstörung, 2011 diskutierten sie mit Freunden, Kollegen und
Verwandten Heinrich von Kleists die Frage "Selbstmord - eine Zumutung?":
Das Zusammentreffen von Inszenierung, Improvisation und Wissenschaft in
Sachen Klassiker, das Verschmelzen von Forschung und Fiktion zu
dokufiktionalen Formaten interessiert Miriam Sachs besonders. Hier liegt auch
die klare Überschneidung mit der Theaterarbeit von Eva Jankovsky
(Schauspielerin/ Regisseurin/ Autorin) - Frauen im Schatten berühmter Männer.
Bereits 2006 widmete sich Eva Jankovsky in der Produktion "mozartin oder die
drei Tragödien einer Schwester" der vergessenen, ebenfalls hochbegabten
Schwester von Wolfgang A. Mozart. In Zusammenarbeit mit dem Russischen
Theater
Berlin phantasierten
dabei
drei Schauspielerinnen
und
drei
Schauspieler musikalisch-spielerisch über Fakten und Fiktion der minutiös
recherchierten Story um Ruhm, Ehre und Geld aus dem Hause Mozart.

weiterer Termin: 21.02.2014 // ESSL MUSEUM Klosterneuburg, 19.00 Uhr
Teilnehmer (gesamt): 1 | Fotos: 0 | Events