Bela B & Smokestack Lightnin, 1030 Wien  3. (Wien), 18.05.2014, 20:00 Uhr
Wo:
1030 Wien 3. (Wien),
Baumgasse 80
Wann:
18.05.2014, 20:00 Uhr
Beschreibung:
Es sind weder Goethe noch Grass, die vergilbt von der brennenden Sonne auf dem Armaturenbrett nach Aufmerksamkeit dursten. Was hätten die auch in den Bildern zu suchen, die in nonchalanter Eindrücklichkeit einen neuen Bela B aus der Bingo- und Code B-Asche steigen lassen. Mit Smokestack Lightnin', Peta Devlin, Seatsniffer Walter Broes und Lynda Kay in weiteren Hauptrollen lässt Bela B auf BYE seinen Sonnenhut tragenden Protagonisten von Nudie Cohn-Anzügen und 1950er Lincoln- Limos träumen.

Die Filmrolle auf dem Beifahrersitz trägt die Aufschrift Heartworn Highways und im Autoradio plärrt in Mittelwellenfrequenz I Love Robbing Banks vom ehemaligen Knastbruder David Allan Coe. Er, der Outlaw, spuckt aufs Redneck-Lager. Er war schon Punk, er war schon cool, bevor derlei Begrifflichkeiten ins verbale Alltagslogo Einzug hielten und verdreht wurden. Er kennt das literarische Werk von Kinky Friedman. Er versteht die Liebe instinktiv als letzte Bastion der individuellen Anarchie. Die entzündet beim Streichholzmann das Aufbegehren gegen die Angst vor dem Unbekannten, sie lässt Abserviert in Northern-Soul-Hoffnung kulminieren und in My Soul/Dein Herz ist sie eine höhere Macht als der Allmächtige. Aber aufgepasst, Rebellen, die ihr euch zum Twist und zum Line Dance vor Bye versammelt habt! Sehnt Ihr euch in eurem selbstverliebten Antagonismus nicht nach moralischer Stütze? Bye verteilt keine Gebote, aber wenn man unbedingt einen Ratschlag sucht, könnte man die Anleitung zum Idealismus finden
auch im Musikalischen.

Selbstverständlich bedienen Bela B, Peta Devlin und Smokestack Lightnin' nicht die Unsitte, einen Chart-Hit im Rockabilly-Style zu spielen. Und wenn, dann nur als Parodie. Aber das ist eine B-Seiten-Geschichte...

"They told me to be nice, I don't know what they meant"

Prize the Los Helmstedts! Die Truppe, die Bingo entscheidend und Code B ein bisschen weniger entscheidend mitprägte, hat Spaß gehabt, als sie mit Bela B auf Tour war. Aber sie war nie eine Band. Praise Smokestack Lightnin'! Wie weiland bei Chuck Berry, der ortsansässige Bands anheuerte, wenn er außerhalb der Staaten unterwegs war, stand vor den Bye-Aufnahmen der Wunsch, mit Musikern zu arbeiten, die einen definierten Gruppen-Sound besitzen und als Band grooven. Die Smokestacks - Bernie Batke, Michael Kargel, Axel Brückner, André Langer und bis neulich noch Frieder Graef - kennen ebendieses Rollenverständnis als Backing-Band von Eddie Angel. Auf Bye sind sie bedeutend mehr. Wer weiß, ob Django Reinhardt ohne ihre Arrangeur- Kunst im Geiste an die Studiotür geklopft hätte, um sich für Immer so sein als Banjo-Spieler empfohlen zu haben. Oder ob Willy De Villes Spirit zum Mariachi von Peng! und durchzuckt von Streichern im 60er-Jahre-Lee Hazlewood-Gusto, die goldenen Vorderzähne hätte blitzen lassen. Peta Devlin macht sich als musikalische Ratgeberin in allen Lagen und als Duett-Partnerin unverzichtbar auf Bye - und darüber hinaus. Längst ist zwischen Bela B, Smokestack Lightnin' und Peta Devlin von einer erlösenden musikalischen Dreiecksbeziehung die Rede, deren Regent mit amourösen Botschaften nicht hinterm Berg hält: "...ich hab' 'nem Transvestiten meinen Herpes geschenkt...". Subtiler geht's nur noch musikalisch. Psychedelische Zitate, Hammond-Sounds und die Zwölfsaitige mehrdimensionieren die musikalische Bye-Bildersprache. Das Filmische verlangt nach Weite und auf Bye spielt die Musik eine Geschichte von Größe.
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