Ausstellung Bogumil Ksiazek - Aeneas und Diogenes, 5020 Salzburg (Sbg.), 30.09.2014, 17:00 Uhr
Wo:
5020 Salzburg (Sbg.),
Dietrichsteinstraße 6a/12
Wann:
30.09.2014, 17:00 Uhr
Beschreibung:
Aeneas und Diogenes
eine mythische und eine reale Gestalt; der Held einer antiker Legende und ein wirklicher griechischer Philosoph wurden zu einer überraschender Inspiration und Stimulation für Bogumil Ksiazeks Schaffen. Die mit Symbolik gefüllte Geschichte um den trojanischen Flüchtling, der nach Jahren der Irrfahrt auf dem schönen Strand von Porto Badisco in Süden Italiens landete, sowie der analytische Verstand des griechischen Weisen tun sich in einem scheinbar banalen Thema der Werke des Malers zusammen.
Die Leinwände zeigen doch einfache Urlaubsszenen: Anonyme, von der Sonne angeröstete Touristen, die ziellos am Strand wandern oder im erfrischenden Meer waten. Da der Titel der Ausstellung uns etwas suggeriert, könnte man erwarten, dass auf den Leinwänden Aeneas, seine Familie oder Gestalten, die er während seiner mühsamen Reise traf, erscheinen. Der spannende Titel kündigt uns einen Mythos, ein Märchen an, führt uns wie die Besucher der alljährlichen "Salons" des neunzehnten Jahrhunderts aus um die "Historien" Erzählungen der Geschichte in Form der Malerei auf einer Reihe von Leinwänden zu sehen. Weit gefehlt: Auf den Leinwänden kein trojanischer Held, keine mythischen Kreaturen. Der Betrachter sieht sich selbst ... einen Touristen, der den Charme des süditalienischen Strandes genießt; ein lachendes Mädchen im knappen Bikini, eine würdige Matrone im schlecht sitzenden Badeanzug, einen gebräunten Muskelprotz, oder einen vorsichtig im Meer watenden alten Mann. Die Wirklichkeit des Mythos wurde entblößt ... niemand wird hier Aeneas treffen.

Trotz der Verbannung der mythologischen Helden von der Leinwand und trotz des Ersetzens durch normale, nicht aus diesem "Märchen" stammende Sonnenanbeter zieht die Aura der Werke Bogumil Ksiazeks den Zuschauer in seinen Bann. Realistisch gemalte, markante und präsente Gestalten, die in einen beunruhigenden Küstenraum platziert wurden; scheinbar gewöhnlicher Sand und Wasser werden unreal; zeigen sich als seltsam fremder Raum, der die Gestalten umhüllt und absorbiert, sie tauchen ein in die blauen Tiefen, jedoch nicht in die des Wassers sondern in die der Dämpfe. Luftmatratzen mit leicht bekleideten Figuren und Badende gleiten durch die blaue, unwirkliche Sphäre, die eine Verbindung von undurchdringlicher Ebenheit und des Gefühls eines Fluges durch die Wolken ist. Dann bricht diese Ebene zusammen, es werden abstrakte Flecken und Linien sichtbar. Sie durchbohren die Leinwände wie scharfe Kanten brechender Wellen und zeichnen die Oberfläche der Meerestiefen. Die schläfrige Vision in den nachfolgenden durch weiße Schlieren durchzogenen Bildern wird plötzlich unterbrochen ... wir kehren wieder zurück in die Realität und sehen nur einen beliebten Badeort und gewöhnliche Touristen.

Das Schweben zwischen Wachsein und Traum, zwischen dem rationalen Denken und der Streiche spielenden Phantasie wird auch auf den "Diogenes" Leinwänden sichtbar. Auch hier kann die Suggestion des Themas einladend zur Suche und Erforschung des Traditionellen wirken: Modern konzipierte Bilder eines Denkers mit für dieses Repertoire allen notwendigen Attributen.
Der Künstler lehnt das Drumherum eines ideologischen und erwarteten Porträts ab. Er zeigt den alten Denker in einer neuen Inkarnation: In Gestalt eines alten Hippies, der manchem Bewohner Krakau aus dem Stadtteil Bloni bekannt ist. Die Figur eines Einsiedlers, der neben der Gesellschaft lebt, deren "Herden" Gesetze und Bräuche ihm völlig egal sind, wurde auf seine Art zur einer Erinnerung an zahlreiche antike "Sonderlinge", für welche die sie umgebende Welt eine täuschende Scheinwelt war und eine unvollkommene Vision eines abstrakten Ideals.

Die historische Gestalt Diogenes, der zur gleichen Zeit losgelöst von der Welt ist, ergänzt perfekt den Mythos von Aeneas, den die Römer als ihren realen Vorfahren bezeichnen. Beide Charaktere zwischen Wachsein und Traum in Schwebe sind anwesend und abwesend zugleich.

Bogumil Ksiazeks Bilder scheinen auch eine sentimentale Erinnerung an seinen jahrelangen Aufenthalt in Italien zu sein, auch an den sonnigen Porto Badisco, den Landeplatz des legendären Schiff des Aeneas. Sie sind eine persönliche Erinnerung der eigenen künstlerischer Reise, inspiriert von einer Tradition, von welcher sich der Künstler nicht abwendet .... ganz in Gegenteil, er schöpft daraus mit vollen Händen


Michal Hankus

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 17.00 bis 19.00 Uhr
Samstag nach Vereinbarung
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